Historische Ansichten von Großschönau.
InhaltsverzeichnisGroßschönau von Anfang an
Polizei, Feuerwehr, Verwaltung und Recht
Freud und Leid
Gewerbe in Großschönau
Kirchen und Religion
Großschönaus Schulen
Vereinsleben in Großschönau
Politik in Großschönau
Großschönau während der DDR
Landwirtschaft in Großschönau
Firmengeschichte
Großschönaus Persönlichkeiten
Großschönaus Straßen- & Brückennamen - Damals und Heute
Über Großschönauer Persönlichkeiten
Großschönau - Damals und Heute - Bildvergleiche
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Großschönauer Adressbuch von 1935
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Großschönau von Anfang an
Zum ersten Mal erwähnt wurde der Ort 1352 in einer Urkunde, die in Prag wieder zu finden ist. Aber die Gründung liegt etwa 150 Jahre zuvor, über die jedoch nichts bekannt ist. Die Herkunft des Namens ist ebenfalls nicht bekannt, vermutlich stammt er aus dem slawischen. Hauptsächlich für den Eigenbedarf wurden Gerste, Roggen Weizen Kartoffeln, Bohnen, Hafer und Flachs angebaut. Auch der Obstbau kam im 19. Jahrhundert in Schwung. Die Viehzucht nutzte nur dem Feldbau, dafür lief die Fischerei und die Teichwirtschaft sehr gut. Die Metallschlägerei und die Zigarrenherstellung erlangten in Großschönau an Bedeutung. Viele Handwerksmeister verkauften ihre Produkte in eigenen Läden. Das Gewerbe der Gastwirte nahm in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stark zu. Leider verfiel nach dem Zweiten Weltkrieg die Gaststättenkultur.
Polizei, Feuerwehr, Verwaltung und Recht
In Sachen Recht unterlag Großschönau der Stadt Zittau. 1856 wurde das Gerichtsamt eröffnet, welches sich ab 1879 Amtsgericht nennen durfte. Dem Amtsgericht unterlagen die Gemeinden Leutersdorf, Seifhennersdorf, Hainewalde, Waltersdorf und Spitzkunnersdorf - mit insgesamt 23 000 Einwohnern. Den Stadtrat bildete die Verwaltung und Polizei in einem. Die Feuerwehr war schon immer eine der wichtigsten Einrichtungen. 1858 wurde das "Rettungscorps" von 61 Einwohnern gegründet, welches 1870 in "Freiwillige Feuerwehr" umbenannt wurde. Die Feuerwehr zählte immer viele Mitglieder. Seit 1934 befindet sich das Depot in der Bahnhofsstraße.
Freud und Leid
Wichtige Ereignisse, wie Kindstaufen, Hochzeiten oder jährlich wiederkehrende Feiertage gaben Anlass zur Freude. Über 70 Vereine gaben Feste aber den Höhepunkt lieferte das jährliche Schützenfest. Zu den Leiden zählen schon immer die Steuern und Abgaben. Auch herrschaftliche Abgaben mussten die Großschönauer leisten. Zu den Leiden kamen in jedem Jahrhundert noch die Kriegsfolgen dazu.
Gewerbe in Großschönau
Weit vor dem Damast gab es schon die Leineweber- um 1390. 1729 gab es in 32 Zittauer Ratsdörfern über 6000 Webstühle. Damast ist ein Bildgewebe, diese Webtechnik kam aus China oder Persien. Das Gewebe verdankt seinen Namen der Stadt Damaskus. 1808 spürte auch die Großschönauer Damastweberei die Auswirkungen des Wirtschaftskrieges und es kam zu einer noch nie da gewesenen Nahrungsmittelnot. Mit der Einführung der ersten Jaquardmaschine 1834, leitete Johann Gottfried Schiffner gleichzeitig den Untergang der Jahrhunderte alten Damastherstellung ein. Echter Damast wurde nur noch bis 1935 von der Firma Richter & Goldberg auf einem Handwebstuhl hergestellt.
Kirchen und Religion
Das erste Gotteshaus soll unterhalb des Hutberges Gestanden haben. Die zweite Kirche wurde vermutlich um 1497 gebaut. Der Bau der dritten Kirche erfolgte zwischen 1703-1705 um die alte herum. Von 1945-1965 lag die Zahl der Gemeindemitglieder bei 6000. Die Mitgliederzahl sank bis 1980 auf ihren niedrigsten Stand von 2700. Heute sind es nur noch etwa 1700. die Zahl der Konfirmanden war in den 80er Jahren rückläufig. Dagegen steigen sie jetzt Jahr um Jahr. Auch Trauungen sin rückläufig.
Ereignisse von 1945 - 1983
10. Juni 1945 erstes Konzert mit 1000 Zuhörern
1947 werden Orgel und Orgelchores abgerissen
1954 wurden neue Lager für die Glocken eingebaut
1955 wurde die Beleuchtung der Turmuhr eingebaut
1957 besucht ein Bischof Großschönau ab
1979 darf einmal im Monat ein Gottesdienst im Feierabendheim abgehalten werden
1983 Leihvertrag zwischen Pfarrer und Gemeinde - Gegenstände für das Museum
Großschönaus Schulen
Großschönaus Schule gehört zu den ältesten Schulen in der Oberlausitz. Die geschichtlichen Spuren weisen auf 1574 hin, als die ersten Schulmeister genannt wurden. Viele Jahrzehnt gab es nur einen Lehrer. Aber mit dem erstarken der Damastweberei, wurde 1699 eine zweite Stelle eingerichtet. Aus Sparsamkeit heraus wurde in privaten Häusern unterrichtet. Erst 1778 wurde ein Schulgebäude errichtet. Neben dem Unterricht webte der Hausherr mit im Raum, um diesen aus zulasten. Das dies störend wirkte, kann sich jeder vorstellen. Der Lehrer und seine Pflichten und Rechte Ein Lehrer unterrichtete, nach Überlieferungen ,bis zu seinem Tod. Der Oberschulmeister Johann Friedrich Goldberg, dessen Vater Neuschönau gründete, war von 1727 bis 1779 als Lehrer tätig(52 Jahre). Auch ein Lehramtsanwärter wurde geprüft, so stand an erster Stelle Religion, Rechnen und Schreiben gehörten auch dazu. Der Oberschulmeister war gleichzeitig Organist, Vorsänger, das Läuten der Kirche, sie auf- und zu zuschließen und auch zu reinigen. Der Unterschulmeister musste bei Begräbnissen mitsingen, die Kirchenuhr und ihre Zeiger schmieren. Bei Hochzeiten hatte er ferner das Aufgebot zu bestellen und trat als Hochzeitsbitter auf. Er musste stets nach dem Rechten sehen und die Gäste unterhalten. Der Oberschulmeister brachte es auf 30 bezahlte Nebentätigkeiten, wogegen der Unterschulmeister nur 20 Nebentätigkeiten Hatte. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren solche Nebentätigkeiten üblich.
Lehrinhalte: Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts bestand der Lehrstoff unter anderem aus Buchstabieren, das Lernen kirchlicher Lieder, Stücke aus dem alten und neuen Testament und Lesen. Das Lernen von Schreiben und Rechnen war jeden seine Sache. Bei Liederlichkeit, Unaufmerksamkeit, Faulheit und schlechtem Benehmen kamen der Rohrstock ,Bücher, Kopfnüsse und Ziehen an Haaren und Ohren zum Einsatz. Die erste Einteilung in drei Klassen erfolgte 1811. Durch das Volksschulgesetz 1873 kamen Geschichte, Geographie und Naturkunde als neue Fächer hinzu. Von 1878 an war der Turnunterricht Pflicht. Von 1914 bis 1933 In der Kriegszeit waren die Lehrer angehalten über positive Ereignisse an der Front zu berichten. Die Schule wurde mehrmals zwischendurch geschlossen. Seit dem 16. November 1922 wurde die Trennung von Kirche und Staat vollzogen. Im selben Jahre wurde verboten Sowjetsterne und Hakenkreuze in der Schule zu tragen. 1927 feierte die Pestalozzischule ihren 100. Geburtstag. 1931 bestand die Zentralschule immerhin schon 50 Jahre.
Die Schule im Faschismus: Man wollte die Schüler wieder mehr zu Zucht und Ordnung rufen. Der Deutsche Gedanke solle mehr gepflegt werden. Im Sportunterricht wurde wieder hart durchgegriffen mit Strenge und Disziplin. Jede schulische Veranstaltung hatte militärische Züge angenommen. Im Dritten Reich gab es eine 8-Klassenschule. Seit 1941 fing das Schuljahr am 1. September an. Auch Religion stand auf dem Lehrplan.
Ein schwerer Neuanfang: Lehrer mussten entlassen werden , die der Nazipartei angehörten. Auf Weisung der Besatzungsmacht wurde jetzt Russisch erteilt. Erst 1949 kam Englisch als zweite Fremdsprache dazu. Ab 1945 gab es eine Schulspeisung. Der strenge Winter von 1946/47 , zwang die Lehrer nach einem Heizungsausfall in Gaststätten, in der Kirche und freien Räumen der Textilbetriebe zu unterrichten. Die Neulehrer gingen auch schon mal in die Natur mit ihren Schülern.
Politik und Ideologie: Trotz schon bestehender FDJ und den Jungen Pionieren hielten viele Eltern an den christlichen Werten fest. Viele Jugendliche gingen zur Jugendweihe und Konfirmation. Seit 1950 gehörten fast alle Kinder den Pionieren an.
Die 10- Klassen- Schule: Es wurde erstmals Nachhilfe für schwache Schüler eingeführt. Seit Februar 1948 gibt es ein warme Mahlzeit am Tag. Glaubensfragen mussten von den Lehrern geschickt umgangen werden. Schüler wurden in die Betriebe geschickt um sie mit der Produktion vertraut zu machen. Es entstanden viele Arbeitsgemeinschaften, die freiwillig besucht werden konnten.
Vereinsleben in Großschönau
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts nehmen die Vereine einen beträchtlichen Raum ein. Der wohl wichtigste Verein Großschönaus ist der Schützenverein. Er wurde im August 1844 gegründet. Das jährliche Schützenfest war ein Höhepunkt. Gleichzeitig kamen viele Schausteller und boten ein lustiges Treiben. Zum 100. Geburtstag der Schützengesellschaft wurde ein neuer Schießstand eingeweiht. Nach dem Krieg wurde die Schützengesellschaft verboten und ihr Vermögen der Gemeinde vermacht. Seit dem 24. April 1993 gibt es eine neue Schützengesellschaft.
Die Saxonia: Der Verein stand sozusagen auf dem zweiten Rang. Es war eine naturwissenschaftliche Vereinigung. Die Saxonia engagierte sich in vielen Bereichen, wie z. B. Konzerte veranstalten, die Semperoper besuchen und das Zittauer Stadttheater. Weiterhin wurden erstmals Dinge gesammelt und zusammengetragen und in einem Museum ausgestellt. Theodor Haebler schenkte der Gemeinde 1937 das "Kupferhaus". Darüber hinaus beschäftigte sich der Verein mit der Wetterbeobachtung und organisierte Wanderungen in die Berge. Ab 1935 ging auch die Verkehrs und Fremdenwerbung von der Saxonia aus.
Die Volksspielkunstgemeinschaft: Ein beliebter volkstümlicher Verein in der Oberlausitz. Dieser Verein wollte den Dialekt und unsere Alltags- und Festtagssitten erhalten. Vor allem wurden viele Bühnenstücke aufgeführt.
Der Konsumverein: Im Volksmund wurde er Spoarloaden genannt. Es war eine Gemeinschaft für "Kleine Leute". Hier konnten bis zur Eröffnung eines zweiten Ladens nur Mitglieder einkaufen. Auch wurden Rabattmarken eingeführt, die bis 1990 bestand hatten. Während des Dritten reiches wurde der Konsum klein gehalten. In der DDR hatte der Konsum seine Blütezeit.
Sportvereine: Von 1860 - 1989 Der Turnverein Großschönau wurde 1861 gegründet. Eine Wiese diente als Turnplatz, im Winter durfte man in der gaststätte turnen. 1898 traten erstmals die Frauen im Sportverein auf. Weiterhin gab es den Radfahrverein,den Schwimmclub, einen Eislaufvereiv und den Reitsportverein.
Politik in Großschönau
1890 wurde die erste Partei als Zweig der heutigen SPD gegründet. Damals stärkste Partei im Reich. In einem Sozialkatalog wurde der Achtstundentag , die Gleichstellung der landwirtschaftlichen Arbeiter gegenüber den gewerbliche Arbeitern und das Koalitionsrecht. In Schulungen wurden die Genossen über das politische Programm aufgeklärt. Mit Flugblättern und auf Massenkundgebungen wurde geworben.
Die Liberalen: Zweitstärkste Partei im Ort , zusammengeschlossen aus der National liberalen Partei und der Deutschen Freisinnigen Partei. Ihre Mitglieder waren Beamte, Professoren Politiker, Rechtsanwälte und Ärzte. Ihre Bestrebungen gingen zur Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz hin. Weiterhin plädierten sie für Gewerbefreiheit und Freien Handel. Die Freisinnigen war großer Gegner der Schutzzollpolitik. dadurch kam es schon bald zu Engpässe in der Versorgung.
Links- und rechtsradikale Parteien: Die KPD stellte sich als erste in Großschönau vor. Der bürgerliche Klassencharakter solle durch einen Sturz der Herrschenden Klasse beendet werden, den die Weimarer Republik mit trage. Da die Partei nur wenige Anhänger im Ort fand wurde die erst 1919 gegründete Partei wieder aufgelöst. Die unversöhnlichen Gegensätze der Nazis und der Kommunisten machten sich auch in Großschönau bemerkbar. 1932 kam es am Kraftberg zu einer Schlägerei. die Gewerkschaftszentrale wurde von den Nazis überfallen, aber erfolgreich abgewehrt. Auch die Rechten waren zunächst nicht sehr angesehen im Ort. Aber die Nazis hielten viel auf ihre Propaganda und zogen somit viele in ihren Bann. Die Weltwirtschaftskrise hinterließ auch hier ihre Spuren. Deshalb startete Großschönau 1932/33 einen Aufruf zur Winternothilfe. Gesammelt wurde Lebensmittel, Decken Kleidung Schuhe, Holz und vieles mehr. !932 Standen 6 Wahlen an.
Großschönau während der DDR
Die Machtträger: Kurz nach dem Krieg gab es bei den ersten Wahlen noch Probleme, da die neue Wahlmethodik neu war. Darüber hinaus war man sich aber einig was die Politik an ging. Etwas Positives hatte auch die Schulreform mitgebracht. Es galten gleiche Bildungschancen, sowie ein Recht auf Freizeit und Erholung und das Recht auf einen Ausbildungsplatz. Es war egal welcher Partei die Politiker angehörten, Hauptsache sie konnten gut mit anpacken das Elend nach dem Krieg zu beende und zu verbessern. Im Rat der Gemeinde waren alle Parteien vertreten. Von der Einheitspartei ging die Kontrolle aus, die ideologische Lenkung und Führung. Die Schuldirektoren mussten Mitglied der Partei sein. Aber im Ort machte sich schnell der Schlendrian breit. Das heißt , Großschönau hatte seinen eigenen Kopf und musste viel von der Partei ermahnt werden um etwas um- oder Durchzusetzen.
Bauen in der Kommune: Leider fehlte zum Bauen das Geld , sowie Material und Transportmitteln. In den Jahren 1956 und 1957 entstanden der Schweinestall, der Kälberstall und ein zentraler Zeltplatz mit sanitären Einrichtungen. 1958 wurde das Kino renoviert, und das Weinhaus wurde wieder eröffnet. In den sechziger und siebziger Jahren ging das Baugeschehen noch weiter zurück. So entstanden bis 1980 nur eine Trafostation fürs Waldstrandbad, eine WC-Anlage für den Zeltplatz, der Ausbau der Hutberggaststätte und die Einrichtung eines polytechnischen Zentrums. Im sozialen Sektor entstand eine Kinderkrippe, und Kindergartenplätze wurden durch den Ausbau eines Fabrikgebäudes gewonnen. Auch wurde ein Arbeitsplatz für einen Zahnarzt und einen Facharzt geschaffen. Darüber hinaus blieb vieles unerledigt. z. B.: Außenputz und Dächer der Schulen, die Rekonstruktion des Kinos, im Waldstrandbad die Wasserqualität zu sichern und die Sprunggrube zu vertiefen,das Dach des Feierabendheimes,auch konnte es nicht gelingen ein zentrales Abwassersystem zu schaffen.
Plan und Planerfüllung: In den Fünfzigern wurde der Fünfjahresplan eingeführt, welcher die Produktivität steigern sollte. Es wurden ziele Gesetzt, die es galt einzuhalten. Den verschiedenen Funktionären in unterschiedlichen Bereichen musste Rechenschaft abgelegt werden. Die Oberhäupter der Gemeinde stellten bald fest, das die Umsetzung eines jeden Planes schon eine Tücke in der Verwirklichung hatte. Es gab zwar verstärkte Kontrollen und strenge Kritiken aber es fehlte am Überblick sich auf die wichtigsten Projekte zu konzentrieren.
Wahlen: Die Arbeit vor, während und nach den Wahlen musste von allen Beteiligten sehr ernst genommen werden. Den Bürgern wurden persönlich die Wahlbenachrichtigungskarten ausgeteilt. Alle Wahlberechtigten wurden angehalten so früh wie möglich ihre Stimme abzugeben. Meist waren bis 12 Uhr mittags alle wählen gewesen. es gab keine Probleme durch Nichtwähler. Am 22. März 1970 zu Kommunalwahlen gab es folgende Ergebnisse:
5718 Wahlberechtigte = 100 %
5566 abgegebene Stimmen = 97,34 %
3 ungültige Stimmen = 0,05 %
5563 gültige Stimmen = 99,95 %
5532 für den Wahlvorschlag =99,44%
31 Gegenstimmen = 0,56 %
Nach Meinung der Parteiführung lauerte überall der Klassenfeind. Wer RIAS wurden durch den Staat Störsender eingesetzt. Was Das Fernsehen betraf gehörte Großschönau, zu dem bei Dresden beginnenden " Tal der Ahnungslosen ". Selbst was die Fluchtbewegung anging hielt es sich hier in Grenzen. Erst zwischen 1987 und 1989 kam Bewegung rein. Auch da waren es nur 37 Bürger.
Die DDR - ein Mangelstaat: Hierzulande Fehlte es vor allem an Wohnungen. Da half es auch nichts, das die DDR der weitentwickeltste Staat aller sozialistisch regierten Länder war. Bis zu den sechziger Jahren hin verfielen viele Umgebindehäuser und Eigenheime. Womit sollten sie auch saniert werden, wenn es kein Geld und kein Baumaterial gab. erst nach 1970 wurde es leicht besser, da es jetzt Baukredite gab. Selbst der Bau der AWG brachte keine Besserung in die Wohnungslage, da immer mehr zuzogen. Nach 1970 begann die Zeit Eigenheime zu bauen. Dies war ein äußerst schwieriges Unterfangen, da es trotz niedriger Zinsbeträge auf Baukredite kaum Baumaterial gab. Zudem musste man noch handwerkliches Geschick beweisen. 1977 wurde die kommunale Wohnungsverwaltung eingerichtet und es trat langsam Besserung in die Wohnungssuche ein. Es konnte viel repariert und ausgebaut werden. Die Gemeinde bekam vom Rat des Kreises eine Jährliche Baukapazität von 400 000 Mark zugesprochen.
Landwirtschaft in Großschönau
44,6 % der Gemeindefläche sind landwirtschaftliche Nutzflächen. In Großschönau gab es noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts 36 Bauerngüter. 11 Bauerngüter brannten ab und 8 von ihnen wurden wieder aufgebaut. Die Landwirtschaft diente der Eigenversorgung. In die Steinmühle wurde das Getreide gebracht und zu Mehl oder Schrot verarbeitet. Kartoffeln verkaufte man gleich nach der Ernte zur Einkellerung. Auf den Höfen wurden auch Eier, Butter, Quark und Milch an einen festen Kundenkreis verkauft. Das Schlachtvieh kam zu den Fleischern im Dorf oder nach Zittau in den Schlachthof. Als die Lebensmittelkarten eingeführt wurden ,wurde auch dieses Tun verboten. Bis in die Nachkriegsjahre hinein gab es keine Traktoren im Ort. Diese schwere Arbeit hatten Pferde - und Ochsengespanne übernommen. Während des Krieges halfen Kriegsgefangene und ausländische Zwangsarbeiter. Mit der Bodenreform wurden 9 Neubauernhöfe gegründet. Nach dem Krieg wurde Maschinen-Traktorenstationen (MTS), Molkereigenossenschaften und Maschinenausleihstationen (MAS) gegründet. 1952 beschloss Konferenz der SED Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG`s) zu gründen. Sollerfüllungen wurden in die Höhe geschraubt,so dass viele Großbauern in die LPG`s eintreten mussten.
In der Mitte der DDR: Durch ein Zusammenschließen der Großschönauer und der Waltersdorfer LPG konnten die Pflanzen und Tierproduktionen gesteigert werden. In den siebziger Jahren gab es dann Erntemaschinen, Mähdrescher und viele schwere Technik, die zum Einsatz kam und somit die Arbeit erleichterte. Man bot auch Weiterbildungsmöglichkeiten an , die auch gut genutzt wurden. Wer gut abschnitt konnte auch leitende Positionen übernehmen. Die Gärtnereien blieben bis zu letzt alle privat. Die Genossenschaftsmitglieder hatten eine sichere Arbeit und konnten nun auch Urlaub machen, da ja noch andere tätig waren.
Das Ende der Landwirtschaft in der DDR: Mit der "Wende" kamen Neuerungen und Umstellungen sowie EU-Richtlinien die erbracht und erfüllt werden mussten. Die Jungrinderproduktion wurde 1991 aufgelöst. Von 15 Stalleinheiten 1990 gab es 1998 nur noch 2. Die Bauernhöfe Wächter und Lindner wurden 1990 ausgegliedert. Berufswunsch in der Landwirtschaft besteht kaum noch.
Firmengeschichte Großschönaus
1882 übernahmen Richter und Goldberg die Firma vom Dresdner Handelshaus Proelß Söhne. Zu dem Zeitpunkt arbeiteten ca. 50 Weber in ihren Umgebindehäusern auf Damast- und Frottierwebstühlen. 1884 wurde die erste Fabrikhalle errichtet. 1897 kam die Handweberei in die so genannte Aula. Zwischen 1904 und1907 entstand ein neues , größeres Gebäude. Dort wurde bereits mit Strom gearbeitet. 1895 wurden 350 verschiedene Erzeugnisse gefertigt. Darunter Zählten Bademäntel, Handtücher, Kinderservietten, Handschuhe und Staubtücher. 1907 bestand die Firma 25 Jahre und konnte auf erfolgreiche Geschäftsjahre zurückblicken. Der Umsatz stieg von 1882 mit 123 000 Mark bis 1907 auf 1 481 000 Mark. 1885 gründete die Firma eine Betriebskrankenkasse. Richter und Goldberg waren sehr bemüht ein gutes Betriebsklima zu schaffen. Nach 25 Jahren verfügte die Firma über sechs ständige Vertretungen in Berlin, Frankfurt/Main, Hamburg, Breslau, Köln, Den Haag und Stockholm und Konstantinopel. Kurz vor dem ersten Weltkrieg gab es 360 mechanische Webstühle und noch 40 Handwebstühle bei 650 Arbeitern. Nach dem ersten Weltkrieg nahm der Umsatz stark ab, Da die Aufträge auch ausblieben. 1917 starb Theodor Richter und sein Sohn Max übernahm seine Geschäfte. Die Weltwirtschaftskrise war gerade so überstanden und die Firma rappelte sich wieder auf, wurde die Wehrpflicht eingeführt. Mit dem Zweiten Weltkrieg verringerte sich die Produktion auch aus Mangel an Rohstoffen. 1942 musste die Produktion ganz eingestellt werden. Im Juli 1945 nahm die Firma die Arbeit wieder auf. 1948 starb Max Richter. Somit war Goldberg Einzelproduzent. Die Zahl der Arbeiter stieg rasch an. Ab 1958 gab es erst eine eigene Werksküche. Und 1960 begann eine Arztstation ihre Arbeit. 1972 erhielt der noch Privatbetrieb nach der Verstaatlichung die Bezeichnung Volkseigner Betrieb Wäschefrottier
Weberei C.G. Hänsch: 1832 gründete Damastweber Christian Gottlieb Hänsch eine Weberei. Da er zeitig starb übernahm erst seine Frau und ab 1857 sein Sohn Carl Gottlieb die Firma. Er lernte unter anderem in Dresden bei Michael Wenzel und Gotthelf Krumbholz. Der Export lief sehr gut. 1880 erhielt die Firma eine Silbermedaille auf einer Textilausstellung in Melbourne. 1888 wurde das erste Fabrikgebäude errichtet. Vorher wirkte man in der Steinmühle. Karl Gottlieb Hänsch (dritte Generation) war auch sehr engagiert in seinem Heimatort. Er förderte unter anderem den Bau des Kinderheimes. Eine eigene Zwirnerei kam hinzu. Die Firma verfügte darüber hinaus auch über eine betriebseigene Feuerwehr. Sie wurde auch selbstverständlich außerhalb des Betriebes eingesetzt. 1935 war die Kraftspritze mit im Einsatz beim Seifhennersdorfer Kirchenbrand. 1942 wurde die Produktion eingestellt. In den sechziger Jahren gab es dann nur noch die Zwirnerei. 1972 wurde Christian Hänsch genötigt den Betrieb in das Volkseigentum zu überführen. Die VEB Frottana übernahm erstmal bis der Betrieb endgültig mit dem Aus der DDR zu Ende ging.
Werkzeugfabrik Trept: 1879 erwarb Schmiedemeister Moritz Trept die Schmiede. Neben der Hufschmiede befasste er sich auch mit der Herstellung von Äxten, Hämmern,Hacken und Werkzeuge für Zimmerer und Maurer. 1919 übernahmen seine Söhne das Geschäft. es gab drei Bereiche im Betrieb . Hufbeschlag und Wagenbau, Reparaturanstalt und autogene Schweißerei sowie Werzeugschmiede und Hammerwerk. Ab 1950 war die Firma regelmäßig auf der Messe vertreten. Eine Härterei und Glüherei wurde errichtet. und das Dreischichtsystem wurde eingeführt. Nach dem Tod von Karl Trept 1961 wurde die Filiale Hufbeschlagund Wagenbau aufgegeben. In der Werkzeugschmiede wurden neue Maschinen angeschafft. 1972 wurde der Betrieb ebenfalls verstaatlicht. Der größte Teil des Exports ging nach Übersee. Im Land stand die Nationale Volksarmee, Feuerwehren, Bergbau, Forstwirtschaft und Reichsbahn an erster Stelle. Nach der Wende war es ein Treuhandbetrieb bis 1993. Danach wurde eine GmbH gegründet. Als Bison Großschönauer Werkzeugschmiede GmbH wird ein umfangreiches Sortiment angeboten.
Maschinenfabrik Guido Herrmann: Der Betrieb wurde um die Wende des 20. Jahrhunderts gegründet. Bis 1920 war Reinhold Liebscher der Alleininhaber. 1920 stieg Guido Herrmann in das unternehmen ein. Es wurden Maschinen für die Textilindustrie hergestellt. 1932 wurde Guido Hermann durch einen Gesellschaftsvertrag Geschäftsführer. 1941 wurde der Betrieb in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt und von Günther Herrmann fortgeführt. Als er zum Wehrdienst musste übernahm seine Mutter die Geschäfte. Im zweiten Weltkrieg wurde die Produktion auf Granaten umgestellt. Da die DDR den privaten Firmen das Leben schwer machte, setzte sich G. Herrmann über Nacht nach West-Berlin ab. Der 17. Juni 1953 entschied über sein Rückkehr in die Heimat. Da auch in den Ostländern die Textilindustrie ihren Aufschwung erlebte, War genügend Arbeit da. es mussten auch Neuerungen bei den Maschinen her. Bis zu 90% der Produktion ging ins Ausland. !972 kam es zur Übernahme ins Volkseigentum. G. Herrmann war bis 1980 Als Betriebsleiter tätig. Nach der Wende wurde der Betrieb reprivatisiert und G. Herrmann war wieder Gesellschafter. 1993 ging die Firma in die Liquidation. Den Service gegenüber alter Kunden übernahm HERR-Maschinenservice Schmidt & Birkner KG.
Persönlichkeiten Großschönaus
Johann Elias Zeißig (1737 - 1806): Ein Maler, der sich nach dem Willen seines Vaters Schenau nannte. Er war das 7. Kind einer 15-köpfigen Familie. Er stand bei seinem Vater als " Ziehjunge " am Webstuhl. Er wuchs in bitterster Armut auf. Mit großer Geduld und viel Geschick kopierte er die Bilder die der Vater in den Stoff einwebte. Er und seine Geschwister lernten bei seinem Vater Lesen und Schreiben. Mit 12 Jahren hatte er bereits in Dresden eine Stelle als Schreiber angenommen. Er lernte in Dresden an der Hochschule. Dort lernte er den Direktor (Baron von Silvestre)der Akademie kennen und flüchtete mit ihm bei Ausbruch des siebenjährigen Krieges am 29. August 1756 nach Paris. Dort konnte er die französische Sprache erlernen. Er malte Madame Popadour und war gern gesehener Gast am Hof. Bald gehörte er zu den beliebtesten Malern in Paris. Auch an der französischen Porzellanmalerei versuchte er sich. Nach vierzehn Jahren kehrte er nach Dresden zurück. 1773 übernahm er die Leitung an der Zeichenschule der Meißner Manufaktur. 1175 wurde er Professor an der Akademie in Dresden . Sein künstlerisches Schaffen wandelte sich vom Rokoko zum Klassizismus. Es entstanden Werke für die Dresdner Kreuzkirche und vor allem das Altarbild in der Goßschönauer Kirche. Schenau setzte sich immer sehr stark für die Großschönauer ein. Am 23. August 1806 starb er in Dresden. Das Denkmal und seine Asche wurden 1854 nach Großschönau auf den Friedhof überführt.
Hermann Wenzel (1863-1944): Er war Sohn eines Damastwebers. Seine musikalische Neigung ließ in ihm den Wunsch einer Ausbildung reifen. Bei seiner Strebsamkeit wurde ihm nach zwei Jahren der Meister in Klavierspiel, Gesang und Harmonielehre, sowie Komposition anerkannt. In Großschönau war er als Musiklehrer und Komponist tätig. Über 500 Kompositionen brachte er aufs Papier. 45 Jahre wwar er Liedermeister im Gesangsverein "Liederkranz". Am 17. April 1913 erhielt er, durch König Friedrich August den Titel "Königlicher Musikdirektor". Er war als Musiklehrer sehr beliebt.
Carl Kahlert (1860-1932): Er wurde am 29. September geboren. ein sehr Naturverbundener Bursche. Er erlernte den Beruf als Gärtner. Als junger Bursche wanderte er bis nach Rumänien. Nach seiner Rückkehr schenkte er seiner Heimat seine ganze Liebe. Er brachte die Chronik 1887 heraus, als Grundlage diente die richtersche Chronik. Im Museum befindet sich ein Album mit Bildern aller Opfer des ersten Weltkrieges. Er arbeitete als Zeitungsberichterstatter und veranlasste die Denkmäler zu fotografieren und sammelte alte Pläne. 1901 kam das erste Großschönauer Adressbuch heraus , mit Kahlerts Initiative. Er textete bei und zu jeder Gelegenheit. Herman Wenzel komponierte dazu das ein oder andere Mal. Am 20. Mai 1932 verstarb in seiner Heimat.
Emilio Schiffner (1846-1929): 1923 wurde er zum Ehrenbürger von Großschönau ernannt. Damit dankte man ihm, das er sich als großer Förderer verdient gemacht hat. Er lebte zwar in Argentinien aber mit seinem Herzen war er immer mit seiner Heimat verbunden. 1920 schenkte er der Gemeinde eine Million Mark. Damit baute man 4 Wohnhäuser für 16 Familien. Heute die Emilio - Schiffner -Kolonie.
Theodor Haebler (1862-1952): 1923 wurde die heutige Hauptstraße nach ihm benannt. 1881 wanderte er nach New York aus. Er wurde ein großer Kaufmann und Importeur und verdiente viel Geld. Dieses Geld spendete er zu wohltätigen Zwecken . Auch Großschönau profitierte davon. Zum Kriegsbeginn 1914 schickte er 18 000 Mark für Weihnachtsbescherungen und einem Milchfrühstück. 1919 schickte er 12 000 Mark für hilfsbedürftige Großschönauer und 200 Paar Schuhe. Er unterstützte ferner Konfirmanden, den Frauenverein, Schulkinder und Kriegsopfer. Auch dem Kinderheim schenkte er insgesamt 150 000 Mark. Großschönau verdankt ihm mehrere Häuser.
Karl Gotthelf Krumbholz (1819-1907): Er stammt aus einer wohlhabenden Familie. In Zittau nahm er Zeichenunterricht. Später arbeitete er als Musterzeichner für die Damastweberei. 1840 wanderte er über Bayern , Rheinland, Belgien und Paris nach Lyon. Weiterhin war er Musterzeichner in Paris und England. 1868 wurde er zum Professor ernannt und ihm wurde das Ritterkreuz verliehen. Er engagierte sich auch stark bei der Saxonia und unterstützte den Chronisten Carl Kahlert. Er hinterließ der Gemeinde 37 000 Mark.
Straßen- & Brückennamen - Damals und Heute
1906 hieß die Dr.-Külz-Straße Blumenstraße
Die heutige Hauptstraße hier - Warnsdorfer Straße, dann Adolf- Hitler-Straße, dann Zittauer-Straße, dann Ernst-Thälmann- Straße.
Brücke Waltersdorfer Straße - Totenbrücke - ursprünglich als Holzbrücke und 1771 aus Steinen errichtet; abgerissen und neu erbaut 1899.
Brücke Spitzkunnersdorfer Straße - Obere Schmiedebrücke 1820 erbaut Kupferhausbrücke wurde 1853 anstelle eines hölzernen Steges gebaut.
Produktenstraße seit 1925 heißt heute Gabelsbergerstraße
Horst-Wessel-Straße heißt heute Buschstraße
Herbert-Norkus-Straße heißt heute Gartenstraße
Leo-Schlageter-Straße heißt heute Südstraße
Hermann-Göring-Straße heißt heute Dr.-Külz-Straße
Wilhelm-Gustloff-Straße heißt heute Goethestraße
Goetheweg heißt heute Karl-Kahlert-Weg
Vierhäuser heißt heute Am Kux
Grenzweg heißt heute Richard-Goldberg-Straße
1933 wurde die Bahnhofstraße zur Hindenburgstraße die Warnsdorfer und Zittauer Straße zur Adolf-Hitler-Straße
Großschönau im Wandel der Zeit ist das Motto von diesen Beitrag. Ich versuche weitere Bilder zur Verfügung zu stellen. Es wäre schön, wenn Großschönauer Bürger Material zur Gestaltung der Rubrik zur Verfügung stellen könnten. Über "Leihgaben" wäre ich erfreut...
Großschönau - Damals und Heute
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dieses Foto zeigt die Brücke über die Lausur in Richtung Niederdorf. (Foto gegen 1900) |
gleiche Stelle im Jahr 2003 |
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1909 entstand dieses Foto (Handcoloriert) und zeigt das Gasthaus "Edelweis" und das "Gruppenhaus" |
und so ist die Ansicht im Jahr 2003. Die ehemalige Gaststätte wird heute als Wohnhaus genutzt.... |
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ebenfalls 1909 entstand dieses Foto. Rechts das ehem. "Cafe Steudner" |
Das gleiche Bild über 90 Jahre später. |
Über Großschönaus Persönlichkeiten
Professor Johann Eleazar Zeissig, genannt Schenau.
Altargemälde der Kirche zu Großschönau "Die Auferstehung Jesu"
gemalt 1786 von Professor Johann Eleazar Zeissig, genannt Schenau,
seiner Heimatgemeinde gestiftet 1787.
Auszug aus der
Zeit- und Ortsgeschichte
von Großschönau
Herausgeber, Drucker und Verleger
Fr. August Czischkowsky
in Großschönau
1887
Ausfühlich gedenken wir in Hinsicht auf sein gemeinnütziges Wirken für den Ort Großschönau des Professor Johann Eleazar Zeissig, genannt Schenau.
Am 23. August 1734 (Nicht wie viele Schriften, so auch diejenige auf seinem Denkmal hiesigen Kirchhofs, besagen, "am 7. November 1740")
wurde dem Häusler und Gezogenesweber Elias Zeissig in Nr. 457 (jetzt Blaufärber Neumann) von seiner Ehefrau Anna Elisabeth, geborene Paul, ein Zwillingspaar geschenkt, welches nach damaliger Sitte auch an demselben Tage die Taufe empfing und in derselben die Namen Maria Elisabeth (Maria Elisabeth war die Erstgeborene) und Johann Elias erhielten.
Als Taufzeugen waren geladen:
Elias Grohmann, ein Junggesell,
Joh. Gottfried Goldberg, ein Junggesell,
und Frau Anna Maria Friedrich, des Gerichtsältesten David Friedrich in Neuschönau Ehefrau.
Der Vater des jungen Elias war ein Liebhaber nach seiner Art, alles dessen, was künstlich und auszeichnend war. Er erzog seinen damals einzigen Sohn nebst fünf Töchtern, lehrte sie im Rechnen, Schreiben und Lesen, ließ auch Elias die Damastweberei erlernen.--
Der junge Elias jedoch hatte eine besondere Lust zur Malerei, und ohne Anweisung zeichnete er schon in den Kinderjahren. Der Vater hielt ihn in dieser Lust, gab ihm jedoch hierzu nur Erlaubn iß, wenn seine übrigen Aufgaben gut geendet waren.
Die Begierde, Maler zu werden, nahm zu und ward zur Leidenschaft.
Ein Vetter und ein Nachbar, welche oft nach Dresden reisten, nahmen den jungen Elias im zwölften Jahr mit dahin. Wie staunte er hier alles an ---!, und sein Wunsch war, "hier in der Residenz zu bleiben". Sein Vater, um endlich Ruhe zu haben, schenkte seinen Bitten Gehör, führte ihn zu einem Landsmann Namens Friedrich, welcher ein geschickter Tapetenmaler war; allein dieser verlangte etliche hundert Thaler Lehrgeld, siebenjährige Lehrzeit, wie auch Selbstbeköstigung.
Das war ein harter Schlag, so daß sich der junge Elias der bittersten Thränen nicht enthalten konnte.
Im Quartier befand sich ein alter, grauköpfiger, braver Mann namens Pursche aus Hennersdorf bei Herrnhut, welchen die Thränen des Knaben rührten; er bat sich die Erlaubniß aus, ihn mit zum "Herrn von Manjoky" nehmen zu dürfen. Hier ward dem Knaben aufgegeben, das Kupfer des la Fontaine (von Toque gemalt und Schmidt gestochen) zu tuschen, welches wider Erwarten gut gerieth, so daß Manjoky in die Worte ausbrach: "Hier ist viel Kopf;" ich bin ein alter Greis dem ohngeachtet soll er hier bleiben, ich will ihn zu meinem Freund, dem Dr. Rauchfuß geben, bis meine Besoldung richtiger fällt, alsdann will ich ihn zu meiner "Spielbildungspuppe machen".
Hier bei diesem ehrwürdigen Mann und großen Rechtsconsulenten, welcher vormals in besseren Vernögensumständen gelebt hatte, mußte Elias Zeissig alte Acten copieren, nach Brod oft ganze Nächte lang mit arbeiten. Doch da der Dr. Rauchfuß ein Mann von Geschmack war und ehedem selbst auch ein großes Cabinet besessen, so erlaubte er dem jugendlichen Zeissig zuweilen sich in seinem Lieblingsfache zu üben.
Der Dr.Rauchfuß wurde seitens Elias Zeissigs auf das Rührendste angegangen, in dem neu erlernten Turialstyle zum Hauptzwecke mithelfen zu wirken; indeß der Vater des jungen Elias wollte, daß sein Sohn bei der Feder verbleibe, um später mit Hilfe reicher Gönner Jura zu studieren.
Allein die letzte Opera Ezio, welche Elias sah und wodurch der Drang zur Kunst nur noch lebhafter hervortrat, noch mehr, der bevorstehende Krieg, der alle Aussichten auf Unterstützungen zum Studiren vereitelte, machten, daß der Dr. Rauchfuß mit einem Freund und Schüler des großen Mengs, einem gewissen Beßler, sprach, dieser nahm den angehenden Künstler auf und unterrichtete ihn nach seines Lehrers Grundsätzen.
Auch das Zeichnen sollte Zeissig richtiger erlernen, deshalb redete Beßler mit dem damaligen Direktor der Akademie, dem Baron von Sylvester, welcher auch die Annahme genehmigte. Zeissig zeichnete trotz den elenden Umständen in Bezug seines Lebensunterhaltes fleißig weiter.
Der Krieg brach mit Ungestüm aus, Preußens Völker kamen an, Sachsens Armee ging verloren, Preußische Werbungen geschahen gewaltthätig.
Da nun Zeissig sich durch Fleiß und gutes Betragen in der Sylvesterischen Familie angenehm zu machen gewußt, so ließ man ihn, weil er schönen Wuchs hatte, nicht mehr ausgehen.
Die Lowositzer Schlacht ward von Seiten Preußens gewonnen und in Dresden wimmelte alles von preußischen Soldaten, da entschloß sich der Baron von Sylvester, die Erlaubniß bei Ihrer Majestät der Königin von Polen auszuwirken, nach paris reisen zu dürfen, um seinen Vater zu besuchen.
Dies geschah Anfang des Winters, und der junge Sylvester, so wie Zeissig, waren die Geselschafter. Ehe Zeissig abreiste, nahm er noch Abschied von Beßler und dem verdienstvollen Rauchfuß, welch' letzterer ihn mit einer ovalen Münze zum Andenken beschenkte. (Die Reise wurde im Jahre 1757 angetreten, d.V.)
In fünfzehn Tagen war die Reise nach Paris beendet.
Hier wurde die französische Sprache gelernt und unaufhörlich gezeichnet. Der alte Sylvester, welcher perpetueller Direktor der französischen Akademie war, 40 Jahre in Sachsen gelebt, Reichthum erworben, Glück und Ehre genossen hatte, gab sich ungeachtet seines hohen Alters Mühe, Zeissig mit besten Kräften zu unterstützen. Der ehrwürdige Mann starb aber bald darauf am Stein.
Indessen sorgte nun der Sohn, der Direktor der Dresdner Akademie für Zeissig, verschaffte ihm gute Sachen zum Copieren und machte ihn mit den besten Künstlern wie Vanlov, Vienne, Boucher, Greuze, Dandree, Bardon, Doyen, Chardin, la Tour, le Moyne, Pigal und Bouchardon bekannt. Ueberall hatte er Zutritt.
Von jetzt an wurde dem Baron von Sylvester, als Direktor der Dresdner Akademie, die Besoldung nicht mehr ausgezahlt unbd auch Zeissig rief sich selbst nun zu: "Suche Deine Kräfte in Dir selber," zudem war er bereits so weit in der Kunst vorgerückt, um gute Copien nach verschiedenen Meistern zu fertigen, wodurch er seinen Unterhalt gewann.
Ein gewisser W i l e, ein Vater der deutschen jungen Künstler in Frankreich, hatte ihn lieb gewonnen, nahm ihn in seine Akademie, welche er selbst unterhielt, theilte ihm guten Rath mit, verschaffte ihm viele Arbeiten auch für auswärtige Liebhaber und blieb sein steter Freund.
Der sächsische Gesandte General Fontenay war gleichfalls sein eifriger Gönner und rieth ihm, sich auf mehr als ein Fach in der malerei zu legen, damit er nach überstandenem Kriege wieder nutzbar bei Manufakturen in Sachsen angestellt werden könnte.
Dieses befolgte Zeissig, bereiste Manufakturen, zeichnete für Kupferstecher, Bildschnitzer, Goldarbeiter etc. und malte nebenbei vieles für seinen hohen Beschützer und Gönner den Baron von Sylvester.
Endlich fand Mademoiselle von Sylvester, die Vorleserin und Vertraute der Mad. la Dauphine, welche geb. Prinzessin von Sachsen war, Gelegenheit, den strebsamen Künstler in eine "höhere Sphäre" zu versetzen, in dem sie ihm zu zwei Copien verhalf, die in die Kapelle der Dauphine kommen sollten, nach einem der schönsten Gemälde Ditricy, welches in der Kapelle der Königin war. Es war eine freie Nachahmung der berühmten Nacht des Corregio. Beide Copien geriethen nach allem Wunsch und die Akademie erklärte sie für gut.
Zeissig bekam fürstliche Belohnung dafür und erhielt fernere Aufträge, blieb stets in Gunst und Gnade am Hofe bis an das beiderseitige traurige Ende des Dauphins und seiner Gemahlin.
Während seines Aufenthaltes in Versailles und auch in Paris, in welch' letzterer Stadt Zeissig den Namen "Schenau" angenommen, hatte er das Glück, einen Vetter Sylvesters gleichen Namens kennen zu lernen, der königlicher Zeichenmeister und Lehrer war. Dieser besaß selbst einen reichen Schatz von Handzeichnungen aller Schulen und war überdies Verwahrer der Zeichnungssammlung des Königs.
Dieser unterstützte unseren Schenau weiter; so hatte er sein wenig erworbenes Geld selbst (Sylvester) aufbewahrt, wodurch er Schenau vor manchem der Jugend ebenbürtigen Fehlern bewahrte; er gab ihm nur so viel in die Hände, als es seine Bedürfnisse erheischten.
Mittlerweile studierte Schenau ernsthaft auf der Intendanz zu Versailles und copierte nach Corregio, Guido, Carrachi, Titian u.A.m.; setzte das Studium der Antiken und des Modells in Louvree fleißig fort. Endlich gewann die einzige Erfindung die Oberhand, und zwar neigte sie sich zur Geschichte. Er unternahm stufenweise große Werke, war auch in den letzten glücklich, allein große Werke bezahlt zu bekommen, ist da, wo der Ueberfluß an hervorragenden Künstlern groß ist, etwas Seltenes, also war er wieder genöthigt, sich aufs Kleine zu befleißigen, um gemächlich leben zu können. Dieses gelang ihm,. er gewann reichlichen Unterhalt, fand Freunde und wurde beliebt.
Es war das zwölfte Jahr, daß er in Paris verweilte, da besuchte ihn der Legationssekretär von Freber und machte ihm eine Beschreibung von der im Jahre 1764 neuerrichteten Dresdner Akademie, zugleich den Antrag, von dem Generaldirektor von Hagedorn überbringend, ob er (Schenau) nicht Neigung fände, eine Stelle in seinem Vaterlande zu bekleiden, mit einem kleinen, aber mit der zeit erhöhtem Gehalt. Obwohl erst hin und wieder schwankend, sagte Schenau, nach mehrerer Korrespondenz mit dem Generaldirektor, zu, wurde im Jahre 1768 Mitglied der Dresdner Akademie und kam zu Ende 1769 in Dresden nach einer beschwerlichen Reise an.
Im Jahre 1770 stellte er vier Gemälde zum ersten Male aus, welche Sr. Excellenz der Haushofmarschall von Schönberg, ein eifriger Beschützer der Kunst, zum Geschenk erhielt.
Ihre Königl. Hoheit die verwittwete Kurfürstin von Sachsen trug ihm auf, eine Epoche ihrer Genesung zu schildern, indem sie Schenau durch die eingesandten gefälligen Allegorien kannte; er vollendete den Auftrag mit großem Beifall. Der Generaldirektor von Hagedorn, welcher Schenau seiner Gunst und Gnade würdigte, drang in ihn, im Aktsaale nach dem Modell zu zeichnen, welches Schenau auch befolgte, und seine Akte in großer Menge dem gelehrten Publikum zur Beurtheilung ausstellte; er gab sich Mühe mit seinen Schülern und war glücklich Leute zu finden, in denen Urstoff vorhanden war.
Im Jahre 1772 wurde ihm die Oberaufsicht der Maler und Bildhauer bei der Porzellanmanufaktur in Meissen übertragen unter der Direktion des Geh. Rath von Fletscher. Schenau war nicht weniger beliebt, gefeiert und glücklich auch unter der zweiten Direktion Sr. Excellenz des Grafen Marcolini.
Im Jahre 1774 ward er zum Professor der Akademie erklärt und verwaltete den Dienst des berühmten Professors Knöfler, so wie den des Professors Dietrich in Meissen bereits seit 2 Jahren. Da sich nun Professor Schenau bei beiden Aemtern, sowohl durch Unterricht als eigene Werke, hervorzuthun gesucht hatte, so ward er nach Ableben des unstreitig großen Direktor Hutins im jahre 1777 als alternierender Direktor ernannt.
Im Jahre 1806 erkrankte Professor Schenau, in der letzten Hälfte des August sogar ernsthaft, so daß er am 22 August Abends den Kaiserl. Königl. geschworenen und in Kursachsen immatriculierten öffentlichen Notar Joh. August Benjamin Hiehle in seine Wohnung, Kreuzstraße 539 (zweites Stockwerk), berief, welcher laut am Testament angehängter Urkunde "Professor Schenau zwar sehr krank und auf dem Bette, jedoch bei guten Verstandskräften angetroffen;" in Gegenwart von sieben Zeugen, angesehene Bürger der Stadt Dresden, ließ Professor Schenau sein Testamentg aufsetzen, welches die Aufschrift "Hierinnen ist mein letzter Wille, Johann Eleazar Schenau," trug; das Testament lautet:
"Da ich über kurz oder lang sterben werde, so will ich folgende Disposition in Ansehung meines Nachlasses machen...." Schon am nächsten Tag den 23. August starb Professor Schenau.
Das auf dem Friedhof in Großschönau stehende Denkmal
trägt auf der
Frontseite
folgende Schrift:
Hier ruhet Johann El. Schenau
Professor und Direktor der Königl. Sächs. Akademie
der bildenden Künste zu Dresden.
Geboren zu Großschönau in der Oberlausitz
den 7. November 1737.
Gestorben den 23. August 1806.
Was in hohen Idealen,
Dich hier oft entzückt,
Hast Du jetzt zu tausend malen,
Schöner noch erblickt.
Nach Vollendung war Dein Streben,
Sie ist nunmehr Dein,
Denn, unsterblich wie Dein Leben,
Wird Dein Name seyn.
Rückseite:
Die hier ruhende Asche
weil. J. El. Zeissig, genannt Schenau,
wurde im Auftrage seiner Nichte Frau Marie Elisabeth Müller, geb. Zeissig, durch ihren Ehemann Herrn Joph. Gottfried Müller, Gerichtsältester und Kramer allhier, nebst diesem Denkmale von dem zu sekularisierenden Johanniskirchhof zu Dresden den 6. September 1854 mit hoher Bewilligung entnommen und den 8. September 1854 von den Gemeinden Groß- und Neuschönau aus dankbarer Anerkennung seiner um den Geburtsort erworbenen Verdienste feierlich eingeholt und hier beigesetzt.
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(Vielen Dank an Herrn Ch.Hengstenberg welcher mir das Material zur Verfügung stellt)










